Meat LoafSeit dem Jahr 1967 war in Los Angeles zeitweise ein junger Parkplatzwächter unterwegs, der ständig diverse Rockbands gründete, um mit ihnen in den Vorprogrammen von The Who, Iggy Pop und Joe Cocker zu spielen. Das Plattenlabel Motown wurde auf ihn aufmerksam, als er nach einem erfolgreichen Vorsingen eine Rolle in dem Musical „Hair“ bekam.

Der junge Mann, der sich selbst aufgrund seiner beachtlichen Körperfülle „Meat Loaf“ nannte, war weder zu übersehen noch zu überhören. Nachdem er am Broadway den Songwriter Jim Steinman kennen gelernt hatte, sollte die Erfolgsgeschichte ihren Lauf nehmen. Zur selben Zeit, als ein breiteres Publikum Meat Loaf in der Rolle des Eddie in dem Film „The Rock Horror Picture Show“ von 1975 erstmals Beachtung schenkte, arbeitete er bereits mit Jim Steinman an „Bat Out Of Hell“. Das Album wurde 1977 veröffentlicht und brauchte ein gutes Jahr, bis der Verkauf richtig ansprang. Aber dann … mit 41 Millionen Exemplaren war es 88 Wochen in den US-Charts, 395 Wochen und 16 Wochen in den Top-Ten der UK-Charts, was ihm einen Eintrag in das Guinness-Buch der Weltrekorde als „The Longest Charting Record“ eingebracht hat. Darauf folgte eine mehrjährige Welttournee. Und nach mehreren Höhen und Tiefen, dem Bruch mit Jim Steinman sowie gesundheitlichen Problemen, versöhnten sich Jim Steinman und Meat Loaf zum Glück wieder, denn es gab erste Ideen für „Bat Out Of Hell II“.
Es war Zeit für sein glorioses Comeback. Der Song „I´d Do Anything For Love“ wurde mit einem Grammy ausgezeichnet und eine neue Generation von „heimlichen“ Rockern war herangewachsen, die zusammen mit seinen alten Fans jetzt auch mit Begeisterung seine Musik hörte und versuchte alte Konzerte von noch älteren Kassetten irgendwie auf die neuen CD´s zu bannen.


Eine von diesen heimlichen Rockfans war ich. „Heimlich“, weil ich bis dato selber nicht wusste, wie sehr ich auf Rockballaden stehe. Eines Tages saß ich ganz unbedarft vor dem Fernseher und zog mir die übliche 90er-Jahre-Mucke rein, als das Musikvideo zu „I´d Do Anything For Love“ meine kleine, altschlagerlastige Welt erschütterte. Sein neu aufgelegtes Doppelalbum war das erste sinnige Geschenk, das ich als sensibles „Pubertier“ kurze Zeit später unterm Weihnachtsbaum auspacken durfte. Mit seinen Liedtexten habe ich Englisch gelernt. Ein Unterfangen, bei dem jeder Lehrer bis dahin völlig versagt hatte. Nach der Schule reizte ich meinen kleinen Ghettoblaster in meinem Zimmer aus, bis die Pappen wegflogen, denn ich musste mit seiner Musik gegen die schlimmen Geräusche anstinken, die nebenan aus dem Zimmer meiner kleinen Schwester quollen: Die Toten Hosen, Die Ärzte und Die Böhsen Onkelz!!!
Meat Loaf Da hatten Meat Loaf und ich einiges zu tun, was „Musikerziehung“ anging. Dabei war sie es, die mir die CD´s geschenkt hatte! Eine Etage tiefer versuchte noch mein Vater mit seiner Monsteranlage mit allem was er an Klassik aufbieten konnte, ebenfalls gegen unseren brachialen Stilmix anzukämpfen. Aber … keine Chance.
Auch in meinem ersten Auto war Meat Loaf mein ständiger Begleiter. Mein Mann schmiss das Kassettendeck raus und sorgte dafür, dass ich während der Fahrt CD´s hören konnte. Dank ihm war immer der Weg das Ziel und Ankommen machte keinen Spaß, weil man ja irgendwann aussteigen musste. Dafür freute ich mich schon auf die Rückfahrt.
Unvergessen bleibt auch die Heimfahrt in unserem alten Doppelkabiner von einem seiner Konzerte auf der Loreley. Mein Mann, der als Tontechniker auch im Auto immer großen Wert auf den richtigen Sound legt, hatte die hintere Sitzbank kurzerhand rausgeschmissen und sie durch eine gigantische Bassbox ersetzt. (Natürlich selbst geklöppelt)
Die Fans, die wir auf dem Weg aufgeklaubt hatten, um sie ein Stück mitzunehmen, nahmen begeistert darauf Platz und freuten sich, dass das Konzert weiter ging. Denn natürlich lief im Wagen Meat Loaf und wir rockten um die Wette.

Am Abend des 20. Januar 2022 ist Marvin Lee Aday gestorben aber Meat Loaf lebt weiter. Seine Musik hatte ihn schon zu Lebzeiten unsterblich gemacht. Er ist und bleibt unvergessen.

 

 

 

 

Text: Nadja von der Hocht

Bild: Meat Loaf (New York 2004)
Mr.Mushnik in der Wikipedia auf Englisch, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Bild: Meat Loaf 1971
Ronden Talent Management, Public domain, via Wikimedia Commons

Beitragsbild: Meat Loaf 2019
Super Festivals, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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