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Superstar

Was ist eigentlich ein Superstar? Kann es sein, dass dieser Begriff in letzter Zeit mit Hilfe der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ ziemlich doll abgenutzt wurde?
Werfen wir doch mal einen Blick ins Lexikon: Der Begriff „super“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet umgangssprachlich: „hervorragend“ – „besonders gut“ – kaum zu übertreffen“ – „erstklassig“ – „großartig“ Na? … Merkt er was?
Ein Superstar war einmal ein Künstler, der sich sehr, sehr deutlich von der enormen Masse seiner Kollegen anhob. Es gab nur sehr wenige Superstars, weil sie viel, viel besser und erfolgreicher waren als die anderen. Der Begriff „Superstar“ ist ein Superlativ, also die Höchststufe der Steigerung. Der Superstar liegt deutlich über dem Durchschnitt und ist nicht mehr zu überbieten.
So – und jetzt kommen wir von der Theorie zur Praxis: Zurzeit turnen, wenn man denn den Medien und Dieter Bohlen glauben darf, Unmengen von jungen Superstars auf deutschen Bühnen herum. Sie alle können ganz hübsch singen, haben Talent und sind sogar attraktiv. Sie singen hauptsächlich Songs von anderen Künstlern. Sie schreiben nichts Eigenes. Die meisten beherrschen nicht mal ein Instrument! Sie covern sich frech durch die Gegend und schimpfen sich trotzdem „Superstar“!
Ich sag´s mal deutlich: Wenn diese kleinen Eintagsfliegen alles Superstars sind, … was ist dann Madonna oder Joe Cocker oder der selige Michael Jackson?! Ihr wollt diese einzigartigen Superstars doch wohl nicht mit unseren kleinen Castingwundern auf eine Stufe stellen, oder?!! Muss jetzt für echte Superstars ein neuer Begriff gefunden werden, oder gibt es unterschiedliche Kategorien? Wie unterscheidet man Superstars namentlich, die eigene Texte und Songs schreiben und eine Botschaft zu übermitteln haben von denen, die wie possierliche, dressierte Äffchen alles nachmachen und sich zum Teil über den Inhalt des Liedes, das sie nachplärren nicht mal im Mindesten Gedanken machen? Hat einer ´ne Idee?
Schauen wir noch mal ins Lexikon. Nach „super“, „Superlativ“, „Supermacht“, „Supermarkt“ und „superschlau“ finden wir tatsächlich auch den „Superstar“. Der Superstar wird heute definiert mit „sehr erfolgreiche Person im Showgeschäft“.
Aha! Wenn da mal nicht die ein oder andere Casting-Eintagsfliege nicht ein biiiisschen Voreilig war, sich selbst als Superstar zu adeln. Wer ein echter Superstar ist und wer nicht, bestimmt allein die Zeit. Denn nur wer es schafft, über Jahrzehnte erfolgreich mit eigenen Sachen im Geschäft zu bleiben, ist ein wahrer Superstar. Der Rest läuft unter „ferner liefen“, wird von der Musikindustrie gründlich durchgekaut und dann ausgespuckt. Morgen kennt sie niemand mehr oder weiß einer noch, wer letztes Jahr der „Superstar“ gewesen ist?
Irgendetwas läuft da ganz schön schief. Muß das sein? Geht das nicht anders? Ohne Zweifel ist Deutschland voll von jungen Talenten mit phantastischen Stimmen. Warum müssen sie alle so gnadenlos verheizt und der gierigen, unersättlichen Unterhaltungsindustrie zum Fraß vorgeworfen werden?! Wie wäre es denn, wenn man diesen jungen Talenten die Chance gibt, von alleine und mit der Zeit groß zu werden? Indem man zum Beispiel den ebenfalls talentierten Textern und Songschreibern unter uns, die keiner kennt, die Gelegenheit gibt, ebenfalls erfolgreich zu werden, indem sie für die jungen „Stars“ eigene Texte auf den Leib schreiben, die sie auch vertreten und somit dem Publikum glaubwürdig auf der Bühne rüberbringen können. So können die jungen Künstler selbst lernen, sich im Musikbusiness zurechtzufinden und selbst bestimmen, was sie singen wollen und was sie dem Publikum mitteilen möchten. Ich glaube nicht, dass irgendeiner der großen Bosse so einem jungen Menschen, der plötzlich bekannt ist und Fans hat, die ihn anhimmeln, mal klar gemacht hat, dass damit eine große Verantwortung einhergeht. Andere junge Leute nehmen sich an ihm ein Beispiel und eifern ihm in allem nach, was er denkt und tut. Ist es da nicht besser, man kann seinen persönlichen Stil auch mit Überzeugung vertreten, anstatt sich von seinen Managern, Produzenten und Plattenbossen vorschreiben zu lassen, was man tragen, sagen und singen soll?!
Die einzige Verantwortung, die unsere jungen „Superstars“ haben, ist sich den richtigen Coversong auszusuchen, von denen, die ihnen vorgeschlagen werden. Natürlich stehen nur Titel zur Wahl, die irgendwann mal sehr erfolgreich waren. So hängen sich die Jungen an die Altmeister dran. Denn das verspricht Erfolg. Das Risiko beim Publikum durchzufallen wäre viel zu groß, wenn man sich entscheiden würde einen vollkommen unbekannten, eigenen Titel vorzutragen.
Aber genau das ist es, was die wahren Superstars tun! Sie gehen mit jeder neuen Veröffentlichung ein Risiko ein. Entweder wird der Song ein Erfolg oder nicht. Entweder sie bleiben an der Spitze oder sie laufen Gefahr in Vergessenheit zu geraten. Der Superstar zeichnet sich durch viele Erfolge, wenige Flops, viel harte Arbeit und noch mehr Enthusiasmus für seine Kunst aus. Den jungen Sängern in den Castingshows wird gar nicht erst die Gelegenheit gegeben, ein Risiko einzugehen. Und leider lernt sie so das Publikum auch nie wirklich kennen, denn sie haben ja noch nie was von sich preisgegeben.
Auch covern will gelernt sein. Covern heißt nicht nachsingen, sondern einen bereits veröffentlichten, bekannten Song vollkommen anders zu interpretieren. Und eigentlich kann sich covern auch nur ein echter Superstar leisten, da er selbst schon was geleistet hat und sich somit nicht an dem „alten Zeug“ von anderen beurteilen lassen muss.

Text: Nadja von der Hocht